Was will Carl Auer mit der Carl-Auer Akademie?

Wenn Meinungen aufeinander treffen, hat Gregory Bateson einmal sinngemäß formuliert, ist das keine Katastrophe, sondern eine Chance. Die Carl-Auer Akademie schafft solche Chancen:

Sie bringt Menschen miteinander ins Gespräch, die sich sonst eher nicht treffen würden, kurz: Sie ermöglicht unwahrscheinliche Kommunikation. Die Beteiligten geben dabei ein gehöriges Maß an Kontrolle auf, Erfolg ist nicht garantiert. Doch die Chancen überwiegen die Risiken. Die fachliche Kontroverse, die über die Darstellung der eigenen Positionen hinaus geht, ebnet Wege für neue Entwicklungen und Modelle für die Zukunft.

Im systemischen Feld ist viel geschehen in den vergangenen Jahrzehnten, und der Carl-Auer Verlag ist stolz, dazu beigetragen zu haben. Systemisches Denken ist schon lange kein randständiges Paradigma mehr, sondern erfreut sich einer immer weiter reichenden Verbreitung. Es gibt inzwischen eine ausdifferenzierte Infrastruktur von Fachgesellschaften, Forschungsinstituten, Weiterbildungseinrichtungen, Fachzeitschriften und vielem mehr.

Mit der Differenzierung ist allerdings fast zwangsläufig eine verstärkte Schulenbildung und Abgrenzung von Subsystemen verbunden. Man bestätigt sich und die eigenen Vorannahmen und differenziert diese Ansätze aus, geht in die Tiefe und in Detailarbeit. Eine Nebenwirkung davon ist, dass nur diejenigen miteinander diskutieren, die mehr oder weniger dasselbe denken oder dieselben Vorannahmen teilen. Gegenseitige Bestätigung überwiegt die Infragestellung. Im schlechtesten Fall „schmort“ die Diskussion „im eigenen Saft“; Irritationen der eigenen „Wahrheiten“ werden vermieden. Aus systemischer Sicht ist diese Dynamik wahrscheinlich, aber nicht erstrebenswert. Denn durch Perturbation, Beunruhigung, sachliche Auseinandersetzung werden Entwicklungen vorangetrieben – sei es die eines Individuums, sei es die eines ganzen Feldes, einer Disziplin, eines Denkmodells.

Das Spektrum systemischen Denkens ist weit, und es ist keineswegs logisch konsistent und widerspruchsfrei. Dafür steht auch das weit gefächerte Programm des Carl-Auer Verlags. Ziel der Carl-Auer Akademie ist es, die sachliche Kontroverse im systemischen Feld zu fördern und die Widersprüche für die Entwicklung in Theorie und Praxis nutzbar zu machen.

Die Carl-Auer Akademie entwickelt unterschiedliche Formate für kontroverse und ideentreibende Begegnungen mit – hoffentlich – offenem Ausgang.

Fritz B. Simon über die Carl-Auer Akademie